Eine Buchempfehlung „Tschick“

Und wieder haben wir eine Corona-Woche vor uns. Ok – ab Mittwoch mit weiten „Lockerungen“ und dennoch ist und bleib die Zeit herausfordernd.

Da hilft es, wenn man ab und zu ein gutes Buch findet, sich aufs Bett oder das Sofa „gammelt“, die Welt dort draußen ausblendet und abtaucht in eine fesselnde und witzige Geschichte.

Deshalb  heute eine Buchempfehlung: „Tschick“ 

Maik Klingenberg, 14 Jahre alt und aus einem zwar wohlhabenden, aber zerrütteten Elternhaus in Marzahn, einem Stadtteil von Ost-Berlin, ist in seiner Klasse ein Außenseiter. Deshalb wird er zu Beginn der Sommerferien auch nicht zum Geburtstag der Klassenschönheit Tatjana Cosic eingeladen, in die er heimlich verliebt ist. Er gilt einfach als zu langweilig. Eines der wenigen Male, bei dem er in seiner Klasse auffällt, ist der Moment, als er im Deutschunterricht seinen Aufsatz vorliest, in dem er mit frappierender, aber liebevoller Offenheit von seiner alkoholkranken Mutter erzählt. Der Lehrer ist entsetzt, die Klasse lacht und nennt ihn seitdem Psycho. Niemand versteht, wie man so ungeschminkt über seine Mutter schreiben kann.

Auch der neue Mitschüler Tschick (eigentlich Andrej Tschichatschow), ein wortkarger russischer Spätaussiedler, der hin und wieder sichtlich betrunken zum Unterricht erscheint, ist ein Außenseiter. Und auch er wird von Tatjanas Geburtstagsparty ausgeschlossen. Maik, der bis zuletzt hofft, doch noch eingeladen zu werden, zeichnet als Geschenk für Tatjana in mühevoller Arbeit mit Bleistift ein Beyoncé-Poster aus einer Zeitschrift ab. Doch der letzte Schultag kommt, ohne dass etwas geschieht. Obendrein wird klar, dass Maiks Mutter mal wieder in die Entzugsklinik muss und sein Vater die Zeit nutzen will, um mit seiner jungen Assistentin in den Urlaub zu fahren. Maik wird die Sommerferien also allein verbringen müssen. Da erscheint plötzlich Tschick mit einem gestohlenen, klapprigen, hellblauen Lada Niva vor der Haustür…

Ihr könnt diese Buch mit Sicherheit in der Buchhandlung vor Ort finden:
Buchhandlung Pelzner, Eibacher Hauptstraße 50 

https://www.buecher-pelzner.de

Viel Spaß beim Lesen! 

Wie es gelingen kann, das Positive zu sehen

In der letzten Ausgabe des landeskirchlichen Sonntagsblattes habe ich einen interessanten Artikel zur Corona-Krise gefunden. Einige Ideen daraus möchte ich gern mit Ihnen teilen.

Der Zukunftsforscher Matthias Horx lädt zu einem ungewöhnlichen Blick. Er nennt ihn Rückwärts-Prognose. Und er geht so: Wir stellen uns eine Situation Anfang Oktober vor. Wir sitzen im Cafe und überlegen: Verhalten sich die Menschen um uns herum anders? Schmeckt der Kaffee noch so wie vor der Corona-Krise? Oder sogar besser? Worüber werden wir uns rückblickend wundern?

Wir werden uns wundern, dass die vielen Verzichte nicht zur Vereinsamung geführt haben.
Im Gegenteil. Nach dem ersten Schock waren viele sogar erleichtert, dass endlich Ruhe einkehrte. Dass man nicht ständig was unternehmen musste. Neue Möglichkeiten haben sich aufgetan: neue Kontakte entstanden, und alte Freundschaften wurden aufgefrischt.

Tele- und Videokonferenzen, gegen die sich früher die meisten gewehrt haben, waren auf einmal möglich. Und es war gar nicht so schlecht, was dabei herauskam.
Das Telefonieren erlebte eine Renaissance. Man erreichte endlich wieder jemanden persönlich und nicht nur den Anrufbeantworter.
Menschen, die von einem Termin zum anderen hetzten, machten plötzlich lange Spaziergänge.
Bücherlesen war in und Reality-Shows out.

Wir werden uns wundern, dass schließlich relativ schnell Medikamente gefunden wurden, die die Überlebensrate erhöhten. Corona wurde zu einem Virus, mit dem wir gelernt haben, umzugehen.
Medizinischer Fortschritt hat geholfen, wobei es weniger die Technik war, sondern die Veränderung sozialer Verhaltensformen. Dass Menschen trotz radikaler Einschränkungen solidarisch und konstruktiv bleiben konnten.
Der Glaube an die viel gepriesene künstliche Intelligenz ist kleiner geworden. Die humanen Fragen werden wichtig: Was ist der Mensch? Was sind wir füreinander?

Wir werden uns wundern, wie weit die Ökonomie schrumpfen konnte, ohne dass es einen totalen Zusammenbruch gab. Als wäre die Wirtschaft ein atmendes Wesen, das auch dösen oder schlafen oder träumen kann.
Wir werden uns wundern: Das globale Wirtschaftssystem hat sich verändert:  es wird ortsnah produziert, lokale Netzwerke entstehen oder werden ausgebaut. Das Handwerk erlebt eine Renaissance. Vielleicht werden die Vermögensverluste nicht so sehr weh tun, weil Geld in der neuen Welt weniger wichtig ist als gute Nachbarn und ein blühender Gemüsegarten.

Wenn wir normalerweise in die Zukunft schauen, sehen wir meistens nur die Probleme und Gefahren, die auf uns zukommen, und Angst entsteht. Mit der Methode von Matthias Horx können wir unsere Ängste überwinden. Er vergleicht das mit dem Besuch beim Zahnarzt. Die meisten Menschen haben Angst davor und leiden schon Stunden und Tage vorher. Aber wenn sie alles überstanden haben, gibt es einen Schub von positiven Gefühlen: sie sind voller Tatendrang, die Welt wirkt jung und frisch.

Übertragen auf die Corona-Krise merken wir nach einer Phase der Angst, dass Neues entsteht, innere Kraft wird lebendig. Eine RE-Gnose bezieht das mit ein beim Blick auf die Zukunft, dass wir uns verändern durch die Krise – zum Positiven, dass wir dazulernen. Das wir uns vorstellen können, dass alles auch ganz anders, viel besser sein könnte.

Könnte das Virus ein Zeichen sein, dass die menschliche Zivilisation zu dicht, zu schnell, zu überhitzt geworden ist? Dass sie zu sehr in eine bestimmte Richtung rast? Eine Richtung, in der es keine Zukunft gibt? Aber sie kann sich neu erfinden. System reset. Cool down. Musik auf den Balkonen.
So geht Zukunft.

Wie wäre es, wenn Sie Ihre ganz eigene Rückwärts-Prognose starten? Und dann ins Gespräch kommen mit Ihrer Familie, mit FreundInnen am Telefon oder gerne auch mit mir – Ihrer Pfarrerin Eva Kaplick.

Weiterlesen

www.horx.com
www.zukunftsinstitut.de

Es könnte sein…

Es könnte sein, dass in Italiens Häfen die Schiffe für die nächste Zeit brach liegen …

Es kann aber auch sein, dass sich Delfine und andere Meereslebewesen endlich ihren natürlichen Lebensraum zurückholen dürfen. Delfine werden in Italiens Häfen gesichtet, die Fische schwimmen wieder in Venedigs Kanälen!

Es könnte sein, dass sich Menschen in ihren Häusern und Wohnungen eingesperrt fühlen …

Es kann aber auch sein, dass sie endlich wieder miteinander singen, sich gegenseitig helfen und seit langem wieder ein Gemeinschaftsgefühl erleben. Die Menschen singen miteinander. Das berührt mich zutiefst!

Es könnte sein, dass die Einschränkung des Flugverkehrs für viele eine Freiheitsberaubung bedeutet und berufliche Einschränkungen mit sich bringt …

Es kann aber auch sein, dass die Erde aufatmet, der Himmel an Farbenkraft gewinnt und Kinder in China zum ersten Mal in ihrem Leben den blauen Himmel erblicken. Sieh dir heute selbst den Himmel an, wie ruhig und blau er geworden ist!

Es könnte sein, dass die Schließung von Kindergärten und Schulen für viele Eltern eine immense Herausforderung bedeutet …

Es kann aber auch sein, dass viele Kinder seit langem die Chance bekommen, selbst kreativ zu werden, selbstbestimmter zu handeln und langsamer zu machen. Und auch Eltern ihre Kinder auf einer neuen Ebene kennenlernen dürfen.

Es könnte sein, dass unsere Wirtschaft einen ungeheuren Schaden erleidet …

Es kann aber auch sein, dass wir endlich erkennen, was wirklich wichtig ist in unserem Leben und dass ständiges Wachstum eine absurde Idee der Konsumgesellschaft ist. Wir sind zu Marionetten der Wirtschaft geworden. Vielleicht war es Zeit zu spüren, wie wenig wir eigentlich tatsächlich brauchen.

Es könnte sein, dass dich das auf irgendeine Art und Weise überfordert …

Es kann aber auch sein, dass du spürst, dass in dieser Krise die Chance für einen längst überfälligen Wandel liegt,

  • der die Erde aufatmen lässt,
  • die Kinder mit längst vergessenen Werten in Kontakt bringt,
  • unsere Gesellschaft enorm entschleunigt,
  • die Geburtsstunde für eine neue Form des Miteinanders sein kann,
  • der Müllberge zumindest einmal für die nächsten Wochen reduziert
  • und uns zeigt, wie schnell die Erde bereit ist, ihre Regeneration einzuläuten, wenn wir Menschen Rücksicht auf sie nehmen und sie wieder atmen lassen.

Wir werden wachgerüttelt, weil wir nicht bereit waren es selbst zu tun. Denn es geht um unsere Zukunft. Es geht um die Zukunft unserer Kinder!!!

Text: Tanja Draxler
Quelle: https://www.tanjadraxler.com/blog/es-koennte-sein/